Rattle That Lock - David Gilmour - Live In Pompei 08.07.2016
Pompei
Wer kennt nicht die Stadt nahe Neapels, die beim Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. untergegangen ist.
Anfang Oktober 1971 filmte der Regisseur Adrian Maben im Amphitheater von Pompei. Das Ergebnis, der Film "Pink Floyd: Live at Pompeii" ist für jeden Floyd Fan ein Leckerbissen.
Und genau an jener Stelle, dem Amphitheater von Pompei, sollte nach 45 Jahren einer der Floyds zwei Livekonzerte geben. Mitte März 2016 ging es durch die Medien und Foren: David Gilmour soll im Rahmen seiner aktuellen Tournee "Rattle That Lock" auch zwei Konzerte im Amphitheater von Pompei geben.
Das konnte keiner so richtig glauben. Erst als der italienische Kulturminister, Dario Franceschini, über Twitter verbreitet, dass Gilmour am 7. und 8. Juli "Live At Pompeii" sein wird, sollte es Gewissheit werden.
Accordo raggiunto.Dopo 45anni David #Gilmour tornerà a suonare a #Pompei il 7 e l'8 luglio #PinkFloyd #LiveAtPompeii pic.twitter.com/rx3HLXJobI
Dario Franceschini (@dariofrance) March 16, 2016
Das bedeutet, dass nach fast 2.000 Jahren in diesem Amphitheater eine Massenveranstaltung durchgeführt werden sollte.
Der Onlinekartenverkauf, ab 22. März 13:00 Uhr MEZ, war für viele der Startschuss zur Vorbereitung eines unvergesslichen Konzerterlebnisses. Überraschenderweise waren die Karten nicht so schnell vergriffen, wie viele dachten. Nun gut, der Kartenpreis wird dazu beigetragen haben ...
Interessant ist auch die Aussage von David Gilmour zum Zustandekommen der beiden Konzerte in Pompei:
"Es wurde seither nie wieder für ein Konzert genutzt. Es wird in dieser Arena das erste Mal sein, seit dort vor 2.000 Jahren Gladiatoren getötet wurden, dass es ein Konzert mit Publikum gibt. Das ist sehr aufregend! Gott weiß wann ich wieder auf Tour sein werde. Auf dieser Tour versuche ich ein Ereignis zu schaffen, das sich in das Gedächtnis der Leute zementiert, teils wegen des Ortes an dem es stattfindet."
Nun denn, Karte gekauft für den 08.07.2016, Flug gebucht für den 07.07.2016, Mietwagen geordert, Übernachtung gesichert.
Irgendwie erinnerte ich mich an meine Kindheit, das Warten auf Weihnachten. Die Zeit wollte und wollte nicht vergehen.
Dann endlich der 07.07.2016
Mittags mit dem Auto nach Triest. Am späten Nachmittag ging der Flieger nach Bella Napoli. Dort den Mietwagen geholt und zur Pension nördlich der Ausgrabungen von Pompei gefahren. Bis zum Zentrum von Pompei sind es doch gute 3,5km. Daher meinte die Vermieterin, dass die Fahrt mit dem Auto sinnvoll ist. Sie empfahl mir auch einen kostenlosen Parkplatz. Von diesem waren es ca. 10min zu laufen, eh man beim Amphitheater ankam. Kurz frisch gemacht und los ging es.
Es ist gegen 19:30 Uhr, auf dem Weg zum Amphitheater komme ich am Rathaus vorbei. Hier erhielt David Gilmour am 06.07.2016 die Ehrenbürgerschaft und trug sich in das Ehrenbuch der Stadt ein.
19:00 Uhr begann der Einlass. Vor dem Haupttor an der Straße stehen noch immer viele Fans die gerne rein möchten, aber keine Karten bekommen haben. Ich suche mir eine kleine Imbissbude direkt gegenüber dem Amphitheater. Bei Wein, Wasser und Pizza kann ich dann dem ersten Konzert lauschen. Dabei höre ich auch überraschenderweise, dass "The Great Gig In The Sky" gespielt wird. Selbst die Zuschauer auf der Straße applaudieren nach den Stücken. Nach dem Konzert wartete ich noch und beobachtete Konzertbesucher und sprach mit einigen. Alle waren begeistert. Durch die persönlichen Kontakte zu den Konzertbesuchern kann ich sagen, dass sie aus mindestens folgenden Ländern kamen: Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien, England, Schottland, Rumänien, Brasilien, Chile, Mexico, Australien (die Australierin wohnte auch in der Villa und ich unterhielt mich mit ihr am Samstag beim Frühstück; als David Gilmour im Circus Maximus in Rom spielte war sie in Rom, aber sie wollte ihn unbedingt in Pompei sehen).
Gegen 01:00 Uhr wieder zurück in der Pension, rasch geduscht und ab ins Nest.
Irgendwie konnte ich nicht richtig schlafen und war bereits gegen 05:30 Uhr wach. Schäfchen zählen half auch nichts ;-) Kurz nach acht fuhr ich wieder zum empfohlenen Parkplatz, bei dem es auch gleich eine kleine Bar gab. Also typisch italienisch frühstücken mit Capuci und Cornetto.
Weiter zum Amphitheater. Am Haupttor an der Straße warten schon ca. 30 Personen. Um 10:00 Uhr macht die Kasse auf. Mit einem Brasilianer komme ich ins Gespräch und frage ihn, was er für eine schwarze Zahl am rechten Handrücken hat. Er meinte, dass ist noch vom ersten Konzert, für die erste Reihe. Hm, nicht ganz verstanden. Er erzählte auch, dass es für ihn dann weiter nach Verona zum nächsten Konzert gehen wird. Kurz darauf kam ein kleiner Italiener ;-) zu mir und fragte mich, ob ich auch eine Nummer auf die Hand haben möchte. Ich fragte wofür, er antwortete, damit man in der ersten Reihe stehen kann. Ich verstand das immer noch nicht ganz, ließ ihm aber eine Nummer mit dem Edding auf meine Hand schreiben "21".
Gegen 09:00 öffnete sich das Haupttor und wir konnten zum Gebäude gehen, wo wir unter Vorlage der Rechnung, der Kreditkarte und einem Lichtbildausweis unser "Eventband" und die Eintrittskarte erhalten sollten. Nun hieß es, noch eine Stunde zu warten.
Die Wartezeit wurde uns durch einen besonderen Bonbon verkürzt:
In den Bäumen waren irgendwo Lautsprecher versteckt und plötzlich hörten die Wartenden Ricks Klavieranschläge. "Echoes" erklang!
Um 10:00 Uhr sollte es losgehen. Aber je südlicher man auf der Welt ist, desto größer ist die Zeitverschiebung. also öffneten sich erst gegen 10:15 Uhr die Türen.
Der Tausch verlief problemlos. Es wurden die Daten von Rechnung, Kreditkarte und Ausweis verglichen und dann aus großen Kartons der richtige beschriftete Umschlag entnommen. Das Eventband wurde sofort angelegt und einem noch mitgeteilt, dass man nur damit und der Eintrittskarte rein kommt.
Alles dauerte nicht länger als fünf Minuten.
Der Brasilianer stand nun schon am nächsten Absperrgitter, wo man anscheinend auf den Einlass ab 19:00 Uhr warten musste. Ich fragte ihn nochmals, was es nun mit der Nummer auf der Hand auf sich hat. Er erklärte mir, dass man nun hinter dem Absperrgitter sich einreihen muss und auf den Einlass wartet. Wenn man nun aber noch mal in die Stadt will oder so wird von den anderen toleriert, dass man unter Vorzeigen der Nummer vorne wieder reinkommt und die Chance hat, in der ersten Reihe zu stehen. Muss irgendwie eine Absprache unter den Fans sein. Jedenfalls bedankte ich mich für die Auskunft und sagte, dass ich das nutzen werde.
So schlecht finde ich die Möglichkeit nicht. Von 10:30 Uhr bis 19:00 Uhr dort durchgehend zu warten ist ja auch nicht so lustig, auch wenn man sich hinsetzen kann. Einige hatten sich Klappstühle und auch kleine Decken mitgenommen.
Ich fuhr mit dem Auto in die Berge, die östlich von Pompei liegen, und wollte ein Restaurant besuchen, dass laut Internet sehr gut sein soll. Das Leben war in diesem Fall aber schneller als das Internet, Restaurant hatte geschlossen, für immer. Ich fand ein sehr schönes, kleines anderes Restaurant. Das ist aber eine andere Geschichte.
Gestern war Tag des blauen Bandes. Heute Tag des gelben. Alle, die auf der Straße sich begegnen, grüßen sich mit einem breiten Grinsen und freuen sich auf den Abend.
Mit Spannung traf ich gegen 14:30 Uhr am Eingang zum Amphitheater wieder ein. Ganz vorne am Absperrgitter standen auch die Italiener, mit denen ich in der Warteschlage zum Kartentausch stand. Sie erkannten mich und so war es auch kein Problem, dass ich mich dort vorne aufhielt. Nur ging ich noch nicht hinter das Absperrgitter, da der Platz schon ziemlich eng war, weil ja viel auch saßen. Daher setzte ich mich vor das Absperrgitter. Dort hatte ich eine gute Sich auf die wartende Menge. Unmittelbar vor mir befand sich eine Plakatwand mit der Ankündigung der Konzerte. Fast jeder Besucher ließ sich dort fotografieren oder machte unter großen Verrenkungen Selfies.
Da einige Leute nicht lesen können und dachten, dass 18:00 Uhr Einlass ist, gab es plötzlich einen Ruck und von hinten schoben sich die Massen nach vorne (nichts Schlechtes denken!). Ich schnell hoch und hinter die Absperrung, sonst wäre ich da nicht mehr reingekommen.
Da standen wir nun und durften bis 19:00 Uhr noch stehend warten. 19:00 Uhr ist nicht gleich 19:00 Uhr in Pompei, sondern erst 19:15 Uhr.
Dann ging es los. Taschenkontrollen auf Kameras, Tablets usw. Von den Flaschen wurden die Verschlüsse abgenommen. Dann der flotte Marsch zum Anfiteatro.
Da ich beim Run relativ vorne war, konnte ich in der zweiten Reihe, also nicht direkt am Absperrgitter, ca. 3m rechts von der Mitte, einen Platz ergattern.
Die Konzentration der Handys ist wahrscheinlich Schuld, dass ich zwar Internet hatte, Whatsapp aber keine Verbindung aufbauen konnte.
Wieder stehen, weil es schon sehr eng war.
21:00 Uhr Beginn
Es war grandios. David Gilmour war von mir vielleicht 5m entfernt. Es war ein Traum, ihm beim Spielen zu sehen. Trotz eines Platzes in der zweiten Reihe war an gute Bildaufnahmen nicht zu denken. Aber eigentlich wollte ich doch nur gute Musik hören und IHN sehen. Außerdem stand ein Dirigent vor mir.
Das Konzert entschädigte für alles. Ich konnte genau das Gesicht von David sehen, wie er sich jeden Ton förmlich mit der Seele rausquetschte. Auch die Kommunikation zwischen den Musikern war sehr deutlich. Beispielweise hob David den Gitarrenhals immer ein wenig an und signalisierte Greg Phillinganes, einem der Keyboarder, damit, dass er bei "Shine On" die nächste Oktave spielen soll. Oder das "Duell" zwischen David und Chester Kamen bei "Sorrow".
Wer das Konzert am 25. Juni in Wroclaw gesehen hat, oder den Internetstream, wird bemerkt haben, dass Davids Stimme hier in Pompei wesentlich besser war.
Aber eine Gitarre spielt der "alte" Herr mit seinen 70 Jahren! Ob es die leisen Töne sind oder die kräftigen Akkorde wie in "Sorrow", es ist phantastisch, was er seinen Gitarren entlockt.
Die Stimmung bei den Zuhörern und -sehern war phantastisch. Vom ersten Titel an sang jung und alt mit. Neben mir stand eine 17jährige Italienerin mit ihren Eltern. Sie sang alle Titel mit, egal ob aus den 70er Jahren oder von der aktuellen Scheibe.
Man spürte, dass alle Musiker viel Spaß hatten. Bemerkenswert war auch, dass "The Great Gig In The Sky" gespielt wurde, wie ich es auch schon am Vorabend von der Straße hörte. Dieses, für den Gesang anspruchsvolle, Stück wurde durch die Sängerinnen und den einen Sänger sehr gut interpretiert.
Immer wieder forderte das Publikum in Sprechchören nach "Echoes". David nahm es diesmal zur Kenntnis und reagierte darauf. Er sagte:
"in 'Echoes' gibt es einen Dialog zwischen Rick und mir. Und Rick ist nicht mehr da."
Man kann also davon ausgehen, dass er dieses Stück nie mehr spielen wird.
Das Konzert, wie auch das am Vortag, wurde von vielen Kameras aufgezeichnet. Auch die Drohne, die ich schon am Donnerstag im Nachthimmel sah, war wieder da. Es soll eine DVD/BD produziert werden.
Auf diesen werden auch die phantastische Licht- und Lasershow zu sehen sein und die gesamte Stimmung zur Geltung kommen, die ich hier nur mit wenigen Sequenzen einfangen konnte.
Ziemlich am Ende des Konzerts stellte David die Musiker vor. Bei den Begleitsängern verwechselte er die Namen, was die Musiker und teile des Publikums mit Lachen zur Kenntnis nahm. David konnte sich nur an den Kopf fassen. Ich hoffe, dass diese Szene auf die DVD kommt. Er ist eben auch nur ein Mensch ...
Die Bühne war ohne Dach, selbst die Lautsprecher standen frei und waren in kein Gerüst integriert. Nur in der Mitte prangte Mr. Screen mit seinen 48 Movingheads rundherum. Dadurch kam der Flair des Anfiteatro voll zur Geltung.
Mit 15 minütiger Pause endete das Konzert um 00:05 Uhr Sechs Stunden durchgehend stehen spürt man schon in den Knochen, doch für das Konzert hat es sich in jedem Fall gelohnt. Beim Hinausgehen kommt man mit vielen Besuchern ins Gespräch. Alle sind sich einig: ein unvergessliches Erlebnis!
Im Internet wurde sehr viel Text- und Bildmaterial gepostet. Unter anderem auch zwei Aufnahmen vom Endes des Titels "Run like hell". Eine Aufnahme wurde mit der Kamera an der Drohne gemacht. Diese aber anscheinend am Vortag, also 07.07.2016, weil das Feuerwerk nicht ganz synchron ist.
Heute, 21.07.2016, fand ich auf der FB-Seite von italienischen Floyd Fans einen elf minütigen Drohnen Film vom 08.07.2016. Am Ende ist auch Run Like Hell zu sehen.
Dieser Film ließ sich wesentlich besser mit den anderen Filmschnipseln synchronisieren.
Die Fotografin Sarah Lee fotografierte, wie bereits bei anderen Konzerten von Gilmour, in Pompei. Von ihr stammen die folgenden Fotografien, die im Onlineportal von "The Guardian" zu sehen waren (von ihr sind auch die Fotos oben im Slider).
Auf der Facebookseite des Organisators des Konzerts, D'Alessandro e Galli, findet man ebenfalls sehr schöne Bilder.
Abschließend noch statistische Angaben
Band:
David Gilmour: Guitar, Vocals
Chester Kamen: Guitars, Harmonica, Backing Vocals,
Guy Pratt: Bass, Backing Vocals, Vocals (Run Like Hell)
Greg Phillinganes: Keyboards, Vocals (Time)
Chuck Leavell: Keyboards, Vocals (Comfortably Numb)
Steve DiStanislao: Drums, Wind Machine, Backing Vocals
João Mello: Saxophones, Clarinete, Guitar
Louise Clare Marshall: Backing Vocals
Bryan Chambers: Backing Vocals
Lucita Jules: Backing Vocals
Set 1:
01. 5 A.M. 3:12
02. Rattle That Lock 5:14
03. Faces Of Stone 5:47
04. What Do You Want From Me 4:28
05. The Blue 6:23
06. The Great Gig In The Sky 5:15
07. A Boat Lies Waiting 4:50
08. Wish You Were Here 5:06
09. Money 8:00
10. In Any Tongue 7:03
11. High Hopes 9:33
Set 2:
12. One Of These Days 6:30
13. Shine On You Crazy Diamond 11:46
14. Fat Old Sun 6:41
15. Coming Back To Life 6:59
16. On An Island 6:56
17. The Girl In The Yellow Dress 5:44
18. Today 7:06
19. Sorrow 10:26
20. Run Like Hell 6:57
Encore:
21. Time 5:34
22. Breathe Reprise 1:14
23. Comfortably Numb 8:06
(Diese Angaben stammen vom Blog pulse-and spirit)
Und hier noch andere Filme über das Ereignis vom Sommer 2016 in Pompei:
David Gilmour cittadino onorario di Pompei Verleihung der Ehrenbürgerschaft, Fernsehbericht
David Gilmour cittadino onorario di Pompei: "È bello essere di nuovo a casa"
Verleihung der Ehrenbürgerschaft, Fernsehbericht
David Gilmour a Pompei, intervista ad Adrian Maben
Interview mit Adrian Maben
David Gilmour in Pompeii - The Enterance! Der Weg zum Konzert
David Gilmour - Live in Pompeii
Filmschnipsel "What Do You Want From Me"
Former Pink Floyd guitarist rocks Pompeii
Filmbericht Reuters
7 LUGLIO - DAVID GILMOUR A POMPEI - PINK FLOYD LIVE AT POMPEI
Filmbericht über die Ausstellung
Pompeii Then And Now
Wider Horizons BBC Dokumentation
David Gilmour Live at Pompeii (2017)












